Muskuläre Triggerpunkte werden zunehmend als ein Grund für anhaltende Schmerzen gesehen. Triggerpunkte schränken die Beweglichkeit ein und haben bestimmte Schmerzmuster. Aufgrund dieser Befunde lässt sich die Muskulatur gezielt untersuchen. Der schmerzhafte Trigger findet sich in verhärteten Bändern innerhalb der Muskeln. Die Therapie kann über verschiedene Verfahren erfolgen: Über Dehnungstechniken, manuelle Kompression des Triggerpunktes, gezielte Akupunktur oder Infiltration mit Lokalanästhetika bis hin zur radialen Stoßwellentherapie. Die besten Erfolge werden erzielt in Kombination mit einfachen Bewegungsübungen zur Dehnung oder Kräftigung bestimmter Muskeln.

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit Methoden zur Behandlung muskulärer Triggerpunkte. Die typischen Muster wurden 1983 durch Frau Dr. Travell und Prof. Simons beschrieben. Als Behandlungsoptionen werden Dehnungstechniken unter Kälteanwendung, Kompressions- und Infiltrationstechniken und die Veränderung auslösender Faktoren ausführlich geschildert. Im deutschsprachigen Raum wurde das Konzept der Triggerpunkte zur Behandlung von chronischen muskulären Schmerzen durch den Schweizer Rheumatologen Dr. Beat Dejung weiterentwickelt. Dr. Dejung geht aufgrund seiner mehr als 20 jährigen Erfahrung in der Behandlung von Triggerpunkten davon aus, das sich eine Fibrose (eine Gewebsverhärtung) um den Triggerpunkt bildet und seine Deaktivierung z.B. durch Dehntechniken oder Physiotherapie verhindert. Durch "tiefe Bindegewebstechniken" und das "dry needling" mit Akupunkturnadeln kann eine Auflösung des Triggerpunktes erreicht werden. Die manuelle Techniken zur Behandlung der einzelnen Muskeln (und auch das dry needling) werden durch die Interessengemeinschaft Myofasciale Triggerpunkttherapie in Kursen vermittelt.
Eine technische Entwicklung zur Triggerpunktbehandlung ist der Einsatz von radialen Stoßwellen. Großflächige Muskeln und tiefer gelegene muskuläre Triggerpunkte können durch die Schallwellen behandelt werden. Besonders effektiv ist diese Methode bei der Behandlung des Schulter-Nackenschmerzes und des Becken-Bein Schmerzes. Durch die Möglichkeit das Muskelödem, die Triggerpunkte und die Ansatzveränderungen des Muskels am Knochen gleichzeitig zu behandeln, werden sowohl akute, unterhaltende und chronische Veränderungen erfasst.
Zu Misserfolgen einer reinen Triggerpunkttherapie kommt es bei sehr ausgeprägten degenerative Veränderungen oder Veränderung des Schmerzempfindlichkeit, z.B. im Rahmen einer Fibromyalgie. Hier ist nur ein Teil des Schmerzes über eine Triggerpunkttherapie behandelbar.

Triggerpunktherapie kann chronische Nacken- und Kreuzschmerzen in bis zu 80% der Fälle deutlich bessern. Die Besserung ist nach 3 bis 12 Monate weiter nachweisbar. Es gibt insgesamt nur wenige Untersuchungen zur Triggerpunkttherapie. Ich schildere hier die Ergebnisse, weil auch die Einschränkungen einer reinen Triggerpunkttherapie mituntersucht wurden. Bei etwa einem Fünftel der Patienten liegen klinisch Triggerpunkte vor, diese sind aber nicht ursächlich, sondern Folge anderer Erkankungen. Starke strukturelle Deformitäten oder das Schmerzgedächtnis lassen die Triggerpunkte immer wieder entstehen. Die dargestellten Studien messen den Schmerz auf der Visuellen Analogskala VAS. 10 entspricht dem maximalen Schmerz, 0 entspricht keinem Schmerz. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Methoden lassen sich nicht unmittelbar vergleichen, da es sich um verschiedene Patientenkollektive handelt.
Grobli C, Dejung B. Nichtmedikamentöse Therapie myofaszialer Schmerzen. Schmerz. 2003; 17:475-80.
Von den Therapeuten und Ärzten um Beat Dejung gibt es eine Praxisstudie zu den Behandlungsergebnissen. Hier wird der Verlauf von 83 Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen (Schmerzdauer im Mittel 4,4 Jahre) dargestellt. Durch eine physiotherapeutische Behandlung mit manuellen Triggerpunkttechniken kann der Schmerz im Mittel von 6,6 auf 3,6 ein Jahr nach Abschluss der Behandlung gesenkt werden. Bei 75% der Patienten ist die Besserung gut bis sehr gut. 25% der Patienten kann nicht wesentlich geholfen werden. Der Anteil der Patienten mit einer VAS von 0-4 (weniger Schmerz) kann von 13 auf 63% der Patienten gesteigert werden. Der Anteil der Patienten mit einer VAS von 5 bis 10 (mehr Schmerz) kann von 86% auf 36% gesenkt werden.Die Dauer der Behandlung beträgt in dieser Praxisstudie 1 bis 7 Monate (5 bis 50 Sitzungen).
Hsieh LL, Kuo C, Lee LH, Yen AM, Chien K, Chen TH. Treatment of low back pain by acupressure and physical therapy: randomised controlled trial. BMJ. 2006; 332:696-700.
Diese Studie die Akupressur mit Physiotherapie vergleicht wurde im angesehenem British Medical Journal veröffentlicht. Akupressur ist der manuellen Triggerpunkttherapie vergleichbar, da Akupunktur und Triggerpunkte zu über 70% übereinstimmen. Die Patienten litten im Durchschnitt seit 2 Jahren unter chronischen Beschwerden der Lendenwirbelsäule. Bei 129 Patienten wurden 6 Akupressurbehandlungen oder 6 Physiotherapiebehandlungen innerhalb eines Monates durchgeführt. Die Schmerz auf der Visuellen Analogskala verbesserte sich durch Akupressur von 5,9 vor der Behandlung auf 3,1 nach der Behandlung und 1,6 sechs Monate nach der Behandlung. Durch Physiotherapie kam es von VAS 5,7 zu einer VAS von 4,8 nach und 4,1 sechs Monate nach der Behandlung.
Gleitz M. Die Bedeutung der Triggerstosswellentherapie in der Behandlung pseudoradikulärer Cervikobrachilagien - Vortrag 53. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden e.V. Baden-Baden; 2005.
Dr. Gleitz, der als Orthopäde in Luxembourg niedergelassen ist, hat eine Studie zur Wirkung von Triggerstoßwellentherapie im Vergleich zu einer Physiotherapie bei seit länger als 6 Monaten bestehenden Cervikobrachialgien durchgeführt. Jeweils 86 Patienten waren in jeder Gruppe. Die Behandlung wurde 6-8mal in 4 Wochen durchgeführt. Bei der physiotherapeutisch behandelten Patientengruppe ergab sich eine Abnahme der VAS von 7,2 vor auf 3,3 nach und 3,5 drei Monate nach der Therapie. Bei der Stoßwellengruppe ergab sich eine Abnahme von 7,3 vor auf 1,4 nach Behandlung und 1,3 drei Monate nach Behandlung.
Gleitz M. Grenzen der Trigger-Stosswellentherapie bei der pseudoradikulären Lumboischilagie - Vortrag 53. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden e.V. ; 2005.
In einer weiteren Praxisstudie hat Dr. Gleitz die Gründe zusammengetragen wegen derer keine Besserung der Beschwerden erreicht werden konnte. Hierbei wurde eine hohe Patientenzahl von 423 Patienten erfasst. Bei insgesamt 19% der mit Stoßwellentherapie behandelten Patienten mit pseudoradikulärer Lumboischialgie wurde das Therapieziel nicht erreicht. In 4 % kam es unter der Behandlung zu einer Schmerzzunahme, die zum Abbruch der Behandlung führte. Bei 15% kam es nicht zu einer ausreichenden Schmerzbesserung (VAS 7,3 vor der Behandlung und größer 4 nach der Behandlung). Die Triggerpunkte wurden durch andere metabolische oder rheumatologische Erkankungen verursacht, oder es lagen starke strukturelle Veränderungen vor, die die Triggerpunkte sofort wieder auftreten ließen.