:: Das Schultergelenk
Der häufigste Schulterschmerz ist das Impingement der Rotatorenmanschette. Dabei kommt es zur Einklemmung des Muskelmantels des Oberarmkopfes unter dem Schulterdach mit folgender Symptomatik:
- Schmerzen treten auf beim Senken des erhobenen Armes.
- Schmerzen treten auf beim Liegen auf der betroffenen Schulter.
- Schmerzen treten auf bei Drehbewegungen im Schultergelenk.
Die Enge zwischen Schulterdach und Oberarmkopf kann durch funktionelle Faktoren verursacht sein.
- Durch eine überlastungsbedingte Aufquellung kann die Rotatorenmanschette selber verdickt sein. Entzündeten sich die Gleitschicht unter dem Schulterdach beengt der flüssigkeitsgefüllte Schleimbeutel den Raum.
- Funktionieren die Muskeln der Rotatorenmanschette nicht koordiniert steigt der Oberarmkopf aus der Pfanne nach oben und presst die Rotatorenmanschette gegen das Schulterdach. Gründe dafür können Verkürzungen oder Dybalancen der Muskeln sein. In anderen Fällen (bei jüngeren Menschen) ist die Instabilität durch eine Bandschwäche bedingt.
- Ist das Schulterdach nach vorne verkippt wird der Raum zur Armhebung durch das abgesenkte vordere Schulterdach verkleinert. Diese Fehlhaltung geht oft mit einer Steifheit der gerundeten Brustwirbelsäule einher.
Anatomische Veränderungen können hinzukommen. Diese sind
- Kalkeinlagerungen in der Rotatorenmanschette
- Einriss oder komplette Ruptur der Rotatorenmanschette
- Arthrosen des Schultergelenkes oder des Schultereckgelenkes
Erkrankungen außerhalb des Schultergelenkes können ebenfalls Schmerzursache sein.
- Schmerzausstrahlung von der Halswirbelsäule
- Rheumatische Erkrankungen
- Nervenentzündungen
Beim Schultergelenk können viele Veränderungen durch die Ultraschalluntersuchung dargestellt werden.
- Entzündliche Flüssigkeit im Schleimbeutel, um die Bicepssehne, im Schulter- oder Acromioklavikulargelenk.
- Kalkeinlagerungen in die Rotatorenmanschette oder Einrisse der Rotatorenmanschette
- Dokumentation einer Instabilität oder Luxation.
Aus der sonografischen Untersuchung ergeben sich unmittelbare Handlungsanweisungen für die Therapie des Schulterschmerzes.
- Es kann eine bildkontrollierte Infiltration des entzündungsbedingtes Ergusses durchgeführt werden.
- Es kann eine bildkontrollierte Stoßwellentherapie zur Resorptionsförderung der Kalkeinlagerung durchgeführt werden.
- Es kann die Empfehlung zu einer bestimmten Physiotherapie oder Operation gegeben werden.
Das Schultergelenk ist sehr beweglich. Dynamisch stabilisiert wird es durch die Muskulatur der Rotatorenmanschette. Einen wesentlichen Anteil an der Beweglichkeit hat auch das Schulterblatt, welches auf den Rippen des Brustkorbes in einer Muskelschlinge gleitet. Fehlfunktion der Muskulatur führen zu Schmerzen. Fehlfunktionen werden verursacht durch Triggerpunkte, Verkürzungen und Abschwächungen einzelner Muskeln. Beispiele:
Sehr häufig finden sich Triggerpunkte in einem Muskel namens Infraspinatus. Dieser liegt auf der Rückseite des Schulterblattes und ist für die Kraft der Außenrotation verantwortlich. Interessanterweise verursachen Triggerpunkte des Musculus infraspinatus Schmerzen auf der Vorderseite der Schulter.
Verkürzt ist meist der obere Anteil des Trapezius und des Schulterblatthebers. Diese ziehen die Schulter nach oben und verkippen dabei Pfanne und Schulterdach. Der Oberarmkopf schlägt dadurch bei einer "Überkopfarbeit" viel schneller gegen das vordere Schulterdach.
Das Schulterblatt ist nicht selber am Brustkorb befestigt, sondern in einer Muskelschlinge aufgehängt. Diese ist gleichzeitig für Stabilität und Bewegung des Schulterblattes zuständig. Einer dieser Muskeln ist der Serratus anterior der vom inneren Rand des Schulterblattes zu den seitlichen Rippen zieht. Er macht "breite Schultern". Ist er abgeschwächt kommt es zu einem hinterem Flügeln der Schulterblätter. Durch die lose Aufhängung werden viele andere Muskeln des Schultergürtels ineffektiver. Der vermehrte Krafteinsatz führt wiederum zu Reizungen.
Die Behandlung des Schultergelenkes kann somit immer an drei Ursachen ansetzen.
- Entzündlich-schmerzhafte Reizungen
- Muskuläre Funktionseinschränkungen
- Schlechte Bewegungsqualität
Durch das Ineinandergreifen der einzelnen Behandlungsansätze wird die Behandlungs- und Rehabilitationszeit deutlich verkürzt.
- Entzündungen werden effektiv durch Medikamente und/oder Injektionen an den gereizten Ort behandelt. Dadurch wird die Behandlung der muskulären Komponente erst möglich.
- Muskuläre Funktionseinschränkungen können durch Akupunktur oder Stoßwellentherapie der Triggerpunkte behandelt werden. Dies sollte zusammen mit Dehn- oder Kräftigungsübungen der betroffenen Muskeln erfolgen.
- Die Bewegungsqualität baut auf Information auf. Das bewusste Konzept - Haltung der Wirbelsäule, Stabilisierung des Schulterblattes - Kontrolle der Schultergelenkbewegung - muss in einzelnen Übungen vermittelt werden. Darauf aufbauend können spezifische Tätigkeiten, Ausdauer und Kraft auch mit maschinengestützen Training erarbeitet werden.