Das Kniegelenk ist ein komplex aufgebautes Gelenk, welches die Last des Körpers trägt. Vorraussetzung für ein gesundes Knie sind Kraft, Beweglichkeit, Koordination und eine korrekte Beinachse. Zu Schmerzen kommt es bei:
Der gesunde Gelenkknorpel hat eine glatte federnde Oberfläche. Der kranke Knorpel zeigt eine aufgeraute Oberfläche, seine Dicke ist vermindert, Defekte sind durch weniger belastungsfähigen Ersatzknorpel ersetzt. Die Meniski sind c-förmige Scheiben, die die verschieden gekrümmten Oberflächen des Ober- und Unterschenkels während der Beugung und Drehung des Kniegelenkes ausgleichen. Auffaserungen der Lippe der Meniski können einklemmen und über einen Zug an der Gelenkkapsel Schmerz auslösen.
Zum Gelenkerguss kommt es aufgrund eines Abriebs der degenerativen Veränderungen des Gelenkknorpels oder der Meniski. Dieser Abrieb provoziert die Gelenkinnenhaut vermehrt Gelenkflüssigkeit herzustellen. Der erhöht Kapseldruck schränkt die Beweglichkeit schmerzhaft ein. Durch das "Hinken" werden wiederum lokale Belastungsspitzen erhöht. Differentialdiagnostisch sind bei Verletzungen frische Schäden des Kreuzbandes, der Meniski und der Gelenkoberfläche abzuklären.
Intraartikuläre Injektionen bei Gelenkerguß
Im Falle eines Kniegelenkergusses kann die schnellste Hilfe über eine Injektion in das Kniegelenk erfolgen. Hierbei wird bei der ersten Injektion meist ein Cortikosteroid verwendet, um die Produktion des Reizergusses zu vermindern. Bei den weiteren Injektionen ist die drei bis fünfmalige Anwendung von Hyaluronsäure, einer künstlichen "Gelenkschmiere" sinnvoll. Durch diese visköse Flüssigkeit werden die rauen Oberflächen geglättet und ein erneuter Abrieb vermindert. Durch beide Medikamente werden Knorpel abbauende Enzyme gehemmt und die Sensibilität der Schmerzrezeptoren gemindert. Die Funktion des Kniegelenkes kann sich wieder normalisieren.
Akupunktur kann bei Kniegelenksarthrose eine deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bewirken, die über mindestens 6 Monate anhaltend ist. Die klassischen Akupunkturpunkte werden aufgrund der Schmerzverteilung zu den Meridianen und ihrer Bedeutung in der Behandlung der inneren und äußeren Faktoren ausgewählt. Bei der Betrachtung der Lage dieser Akupunkturpunkte erkennen wir, dass sie Muskeln und Bänder berühren, die für die Stabilität des Kniegelenkes verantwortlich sind.
Der Punkt Milz Pankreas 10 liegt im Muskelbauch des inneren Kniestreckers, der funktionell entscheidend für die Kniescheibenführung ist (Bild 1). Die Kniescheibe liegt dem vorderem Kniegelenk auf. Ihre Führung in der Beugebewegung wird durch koordinierte Muskelfunktion gesichert.
Eine häufige Lokalisation der Schmerzen ist auch die Innenseite des Kniegelenkes etwas unterhalb des Kniegelenkspaltes. Hier liegt der Akupunkturpunkt Leber 8 (Bild 1). Unter ihm setzen die Muskeln an, die das Knie gegen eine X Bein Stellung schützen. Wird Leber 8 bewusst zum Schienbeinplateau hin genadelt kann direkt der schmerzende Sehnenansatz des Pes anserinus beeinflusst werden. Auch hier hat die Schmerzlinderung zur Folge, dass die Beinachse besser stabilisiert werden kann. Weitere Verletzungen des Gelenkes werden dadurch vermieden.

Die Lage der Akupunkturpunkte ist festgelegt. Schmerzübertragenden Stellen können aber überall in der Muskulatur des Kniegelenkes verborgen sein. Es sollte direkt nach diesen Triggerpunkten gesucht werden, da sie der Grund für anhaltende Schmerzen und Funktionsstörung der Kniegelenksbewegung sein können. Bild 2 zeigt einen dieser Triggerpunkt im geraden Kniemuskel, dessen Schmerz aber weit entfernt in der Region um die Kniescheibe empfunden wird. Ein häufig betroffener Muskel bei Läufern ist auch der Vastus lateralis der ebenfalls in Bild 2 mit seinen Triggerpunkten abgebildet ist.
Im Bereich der Muskulatur erfolgt die Behandlung bei sehr empfindlichen Stellen über neuromuskuläre Osteopathie. Bei Sportlern mit einer stärkeren Oberschenkelmuskulatur bietet sich die radiale Stoßwelle zur Therapie an. Durch die Stoßwelle kann der in das Knie übertragene Schmerz reproduziert werden. Diese Punkte werden dann behandelt. Durch die schnelle Impulsfolge der radialen Stoßwellentherapie können auch große Muskeln, wie die Kniestrecker, effektiv behandelt werden.

Die bekannteste Erkrankung der Kniesehnen ist das "jumper`s knee", eine Veränderung der Sehne zwischen Kniescheibe und Schienbein. Diese Erkrankung tritt insbesondere bei Sprung- und Sprintsportarten auf. Die fokussierte Stoßwellentherapie ist eine gute Möglichkeit zur Behandlung.
Auch bei den anderen Erkrankungen des Kniegelenkes ist die Führung der Kniescheibe von großer Bedeutung. Die Kniescheibe liegt in einer flachen Rinne des Oberschenkelknochens. Sie führt relativ große Bewegungen durch währenddessen sie durch Bänder und Muskeln stabilisiert wird. Ein Teil dieses Bandapparates ist in Bild 3 zu sehen.
Um die Kniescheibe herum liegen traditionelle Akupunkturpunkte, die bei jeder Behandlung miteinbezogen werden. Mit der fokussierten Stoßwelle ist darüber hinaus eine Suche im gesamten Bandapparat der Kniescheibe möglich. Hierbei entdeckt man oft sehr umschriebene überempfindliche Areale, die eine hemmende Wirkung auf die kniescheibenführende Muskulatur haben. Die Behandlung kann unmittelbar über die fokussierte Stoßwelle erfolgen.
